Concilium Viennense (1311-1312)

Liber III, Titulus XIII: De censibus, exactionibus et procurationibus
Caput 2: Ad nostrum ...


Ad nostrum quod dolentes referimus pervenit auditum quod ecclesiarum praelati ad monasteria Cisterciensis ordinis accedentes licet ab eis caritative recipiantur et eis curialiter necessaria ministrentur cibis tamen regularibus non contenti contra privilegia dicti ordinis Carnes petunt et si eis non ministrentur auferunt violenter et licet in locis eisdem fiant eleemosynae competenter ipsi tamen praelati ipsis religiosis invitis alias eleemosynas faciunt etiam in aliquibus locis in quibus procurationes non habent de consuetudine vel de iure. Zu unserem Schmerz ist die Kunde gelangt, dass Prälaten von Kirchen, die sich zu Klöstern des Zisterzienserordens begeben, obwohl sie dort gastfreundlich aufgenommen und mit dem Nötigen angemessen versorgt werden, sich nicht mit der gewöhnlichen Klosterkost begnügen. Entgegen den Privilegien des genannten Ordens verlangen sie Fleisch; wird es ihnen nicht gereicht, so nehmen sie es gewaltsam an sich. Und obwohl an denselben Orten in angemessener Weise Almosen gegeben werden, verteilen diese Prälaten gegen den Willen der Ordensleute noch weitere Almosen. Auch erheben sie an einigen Orten Prokurationen, obwohl ihnen diese weder kraft Gewohnheit noch kraft Rechts zustehen.
Pro equitaturis quoque ferrandis licet ferris non egeant et coci eorum sui officii ratione pecuniam exigunt et extorquent nec compositiones super procurationibus inter praelatos ipsos et eos initas eis servant. Ipsis etiam in recipiendis procurationibus ita graves exsistunt quod ipsis in eorum monasteriis et ecclesiis procuratores recipientibus longi temporis victum brevis hora consumit et dum procurationes recipiunt canes venaticos falcones et accipitres se cum habent et nisi voluntati satisfiat eorum valvae monasteriorum seu ecclesiarum per violentiam saepe franguntur et ornamenta ecclesiae exportantur plures que procurationes recipiunt una die sedis apostolicae privilegio non suffulti interdum in pecunia numerata visitationis etiam officio non impenso et occasione dictarum procurationum iidem praelati ab ipsis frequenter exigunt quae illis solvere non tenentur intolerabilia eisdem gravamina cumulantes. Auch für das Beschlagen ihrer Reittiere fordern und erpressen sie Geld, obwohl diese der Beschläge nicht bedürfen; ebenso verlangen und erpressen ihre Köche kraft ihres Amtes Geld. Auch halten sie die zwischen den genannten Prälaten und jenen über die Prokurationen geschlossenen Vereinbarungen nicht ein. Ferner verhalten sie sich bei der Entgegennahme von Prokurationen derart belastend, dass für die Aufnahme solcher Prokuratoren in ihren Klöstern und Kirchen der Unterhalt für lange Zeit binnen kurzer Stunden aufgezehrt wird. Während sie Prokurationen entgegennehmen, führen sie Jagdhunde, Falken und Habichte mit sich; und wenn ihrem Willen nicht Genüge geschieht, werden die Tore der Klöster oder Kirchen häufig gewaltsam aufgebrochen und Kirchengeräte fortgeschafft. Mehrere von ihnen nehmen an einem einzigen Tag Prokurationen entgegen, obwohl sie hierfür nicht durch ein Privileg des Apostolischen Stuhls gedeckt sind; bisweilen sogar in barer Geldzahlung, ohne das Amt der Visitation überhaupt ausgeübt zu haben. Unter dem Vorwand dieser Prokurationen fordern dieselben Prälaten von ihnen häufig Dinge, zu deren Leistung diese nicht verpflichtet sind, und häufen ihnen dadurch unerträgliche Belastungen auf.
Sunt et nonnulli qui procurationes nunciorum apostolicae sedis alia que extraordinaria onera exemptis et aliis religiosis pro maiori parte imponunt ut se ac presbyteros liberent saeculares religiosos ad ordinandum huiusmodi onerum distributionem minime assumentes. In multis etiam aliis praefati praelati exempta monasteria et ipsorum ecclesias utroque illis iure subiectas gravant in procurationibus recipiendis et oneribus insolitis imponendis. Nos igitur super his volentes de opportuno remedio providere sacri approbatione concilii duximus statuendum ut si episcopi non causa visitationis sed caritativae hospitalitatis ad monasteria venerint supra dicta victualia gratiose recipiant quae caritatis gratia eis fuerint ministrata. Es gibt auch einige, die die Prokurationen für die Gesandten des Apostolischen Stuhls und andere außerordentliche Lasten zu einem großen Teil den Exemten und anderen Ordensleuten auferlegen, um sich selbst und die Weltpriester davon zu befreien, ohne die Ordensleute überhaupt zur Regelung einer solchen Verteilung der Lasten heranzuziehen. Auch in vielen anderen Dingen beschweren die genannten Prälaten die exemten Klöster und deren Kirchen, die ihnen in beiderlei Hinsicht unterstehen, indem sie Prokurationen erheben und ungewöhnliche Lasten auferlegen. Wir aber, die wir hierin für eine angemessene Abhilfe sorgen wollen, haben mit Zustimmung des heiligen Konzils bestimmt, dass Bischöfe, wenn sie nicht wegen einer Visitation, sondern aus Anlass gastlicher Aufnahme zu Klöstern kommen, die oben genannten Speisen dankbar entgegennehmen sollen, die ihnen aus Nächstenliebe gereicht werden.
Ipsis autem episcopis ad monasteria venientibus supra dicta et procurationes ibidem recipientibus sibi debitas de iure communi consuetudine privilegio vel iure alio speciali in domibus ipsorum monasteriorum extra tamen septa ipsorum existentibus si quae fuerint ad hoc aptae alioquin intra septa ipsa non tamen intra portam quam regularem appellant Carnium pro congruentia temporis si voluerint privilegio non obstante quocunque cibaria ministrentur. Nec inconveniens reputamus si fragmenta quae de mensis ipsorum episcoporum et suorum familiarium colliguntur per ipsorum episcoporum eleemosynarios ibidem pauperibus erogentur. Ab aliis autem gravaminibus expressis superius praelati diligenter abstineant si dei et apostolicae sedis indignationem voluerint evitare. Wenn jedoch die Bischöfe zu den Klöstern kommen und dort die ihnen kraft allgemeinen Rechts, kraft Gewohnheit, kraft Privilegs oder aufgrund eines anderen besonderen Rechts zustehenden Prokurationen empfangen, so sollen ihnen, falls sich hierfür geeignete Gebäude außerhalb der Umfriedung der Klöster befinden, die Speisen dort gereicht werden; andernfalls innerhalb der Umfriedung, jedoch nicht innerhalb des Tores, das man das reguläre Tor nennt. Fleischspeisen dürfen ihnen dabei, wenn sie es wünschen und die Jahreszeit es angemessen erscheinen lässt, ungeachtet jedweden Privilegs gereicht werden. Auch halten wir es nicht für unangebracht, wenn die Speisereste, die von den Tischen dieser Bischöfe und ihrer Hausgenossen eingesammelt werden, dort durch die Almosenpfleger der Bischöfe an die Armen verteilt werden. Von den übrigen oben genannten Belastungen aber sollen sich die Prälaten sorgfältig fernhalten, wenn sie den Zorn Gottes und des Apostolischen Stuhles vermeiden wollen.